Deutsche Gesellschaft der Mitglieder der Französischen Ehrenlegion und des Französischen Nationalen Verdienstordens e.V.

16. MÄRZ 2026, BERLIN

Interdisziplinäre Expertenrunde „Deutsch-Französisches Geschichtsbuch“

Auf Einladung unserer Gesellschaft hat am 16. März 2026 in den Räumen der Parlamentarischen Gesellschaft Berlin eine interdisziplinäre Expertenrunde „Deutsch-Französisches Geschichtsbuch“ stattgefunden.

Die Expertenrunde wurde von MdB a.D. Detlev Dzembritzki geleitet. Beteiligt waren Fachleute aus allen Bereichen des Unterrichts an bilingualen Schulen und Experten der deutsch-französischen Bildungsarbeit, insbes. des Französischen Gymnasiums Berlin, der Universitäten Metz und Nanterre, des Deutsch Französischen Jugendwerks DFJW, der Deutsch-Französischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, der Abteilung für bilinguale Züge und deutsch-französische Schulen des Landes Rheinland-Pfalz, der Bundesarbeitsgruppe Französisch, des Centre National de la Recherche Scientifique CNRS, Paris sowie des Ernst Klett Schulbuchverlags.

Abb. Geschichtsbuch

Die Experten waren sich einig über die fortgesetzte Notwendigkeit eines eigenen, dezidiert binationalen Geschichtsbuchs und seiner Bedeutung für den bilingualen Geschichtsunterricht an Deutsch-Französischen Gymnasien.

Mit ihrer Abschluss-Erklärung vom 16.03.2026 zeigte die Expertenrunde Wege der Realisierung auf. Die Erklärung wurde von der Deutschen Gesellschaft der Mitglieder der Französischen Ehrenlegion und des Nationalen Französischen Verdienstordens der Ministerpräsidentin des Saarlandes, Frau Anke Rehlinger als Bevollmächtigter für die kulturellen Angelegenheiten sowie an die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz übermittelt. Ferner wurde die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung unterrichtet. Die Adressaten wurden gebeten, sich im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Umsetzung der Erklärung der Expertenrunde einzusetzen.

Die Deutsche Gesellschaft der Mitglieder der Französischen Ehrenlegion und des Französischen Verdienstordens sieht sich der Pflege und Förderung der deutsch-französischen Beziehungen als Motor der europäischen Einigung in besonderer Weise verpflichtet. Bildungsarbeit und die Aufarbeitung unserer Geschichte spielen dabei eine große Rolle. Die Gesellschaft möchte daher die Bemühungen um die Fortführung dieses wichtigen Schulbuchprojekts als weiterhin wegweisendes bionationales pädagogisches Instrument begleiten und fördern.

Das deutsch-französischen Geschichtsbuch “Histoire / Geschichte“ – einzigartiges Beispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit

Das Deutsch-französische Geschichtsbuch mit dem Titel “Histoire/Geschichte“ war erstmals rund um den Termin des 40. Jahrestags des Elysée Vertrags (1963) in drei Bänden in Kooperation zw. dem deutschen Ernst Klett Verlag Stuttgart und dem Nathan Verlag in Frankreich veröffentlicht worden. Es ging auf eine Anregung des Deutsch-Französischen Jugendparlaments von 2003 anlässlich des 40. Jahrestags des Elysee-Vertrags zurück. Es war von deutschen und französischen Autorinnen und Autoren gemeinsam erarbeitet worden. Ziel war es, Geschichte aus den Perspektiven beider Länder und Völker, Frankreich und Deutschland, Deutschen wie Französinnen und Franzosen zu beleuchten. Es ging darum, eine gemeinsame europäische Perspektive auf die Geschichte zu vermitteln und einseitige nationale Narrative auf Geschichte zu überwinden.

Das gemeinsame Geschichtsbuch wurde als bahnbrechendes Schulbuchprojekt gefeiert. Mit diesem mutigen Projekt hatten Deutschland und Frankreich damals ein einzigartiges Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bildungsbereich gesetzt. Sie waren Impulsgeber für ganz Europa.

Das Deutsch-Französische Geschichtsbuch ist auch heute noch eine wichtige Ressource für den Unterricht. Es wird aber nicht mehr verlegt und genügt nicht mehr der Realität heutigen Unterrichts und seiner digitalen Lehrmittel. Es gibt daher Bemühungen, eine aktualisierte, modernisierte und digitalisierte Wiederauflage zu ermöglichen.

Aktualisierung, Modernisierung und Digitalisierung des Deutsch-französischen Geschichtsbuch “Histoire / Geschichte“

Anlässlich des 56. Jahrestags des Elysée-Vertrags unterzeichneten Frankreich und Deutschland im Januar 2019 einen neuen Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration. Mit dem Vertrag von Aachen (Inkrafttreten 2020) wollen beide Länder ihre bilateralen Beziehungen auf eine neue Stufe stellen und sich auf die Herausforderungen vorbereiten, vor denen beide Staaten und Europa im 21. Jahrhundert stehen. Im Zentrum beider Verträge steht insbes. auch der Gedanke einer gemeinsamen Bildungsarbeit als wichtiger politischen Aufgabe. Die Förderung von Deutsch-Französischer Zweisprachigkeit und die Betonung gemeinsamer Verantwortung für die Vergangenheit werden als Bausteine eines starken Europas gesehen.

Die Expertenrunde hat im Geiste des Aachener Vertrags empfohlen, den Zeitraum seit der ersten Veröffentlichung des gemeinsamen Geschichtsbuchs bis heute (2005 – 2026) durch einen pluralen Personenkreis zu ergänzen und für den heute erforderlichen schulischen Bedarf anzupassen. Die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung wird aufgefordert, sich für die Finanzierung des Projekts einzusetzen. Ferner wird die Schaffung einer gemeinsamen Struktur unter dem Dach des Deutsch-Französischen Jugendwerks insbes. zur Koordinierung der notwendigen nächsten Schritte empfohlen.